Abt Paisios beim Vortrag zum Thema "Das Gebet und ich: Wie spreche ich mit Gott"
Abt Paisios über „Das Gebet und ich: Wie spreche ich mit Gott” beim 8. Panorthodoxen Jugendtreffen in Wien am 5. Oktober 2019

Das 8. Panorthodoxe Jugendtreffen fand am 5. Oktober 2019 auf Einladung der Orthodoxen Bischofskonferenz in Wien statt. Zu meiner Freude bejahte Pater Bartholomäus meine Frage – ob ich als „ältere (46) Katholikin“ auch an eine Jugendveranstaltung der Orthodoxie teilnehmen dürfte: „Veranstaltungen der orthodoxen Glaubensgemeinschaft stehen ALLEN offen – alle sind herzlich willkommen!“ Genauso durfte ich diesen Tag erleben!

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Vorbereitung der Erstkommunion und der Kinderliturgien in einer Wiener katholischen Pfarre, sowie als Studentin der katholischen Theologie interessiere ich mich speziell für Themen, wie Kindern und Jugendlichen das Beten nahegebracht werden kann und wie man in einer pluralen Welt allen Christen, Andersgläubigen und Nichtgläuigen auf einer wertschätzenden und respektvollen Weise begegnen kann. Zu meiner Freude konnte ich beides durch den Vortrag von Abt Paisios (Jung) erfahren.

Der Tag begann mit der Feier der Göttlichen Liturgie, welcher Metropolit Arsenios von Austria vorstand. Die Kirche zum Göttlichen Heiland in der Kaiserstraße war bis zum letzten Platz belegt, hunderte Menschen – vorwiegend Jugendliche und deren (Religions-)Lehrer und Lehrerinnen – sind dieser Einladung nachgekommen.

Im Anschluss an das gemeinsame Mittagessen in Bildungszentrum Mater Salvatoris, welches die serbisch-orthodoxe Gemeinde zur Verfügung stellte, referierte Abt Paisios (Jung) über das Thema “Das Gebet und ich: Wie spreche ich mit Gott”:

Sprechen heißt: man teilt sich mit und man hört zu, zusammengefasst Sprechen ist Kommunikation. Gebet heißt also „Sprechen mit Gott“.

Der Ansprechpartner meiner Kommunikation im Gebet ist Gott. Ich teile ihm alles mit und ich höre ihm zu. Um mit jemanden gut und intensiv sprechen zu können, muss ich ihn zuerst kennen lernen und Zeit mit ihm verbringen. Das gilt auch für Gott. Die ersten Menschen, die mit Gott sprachen und ihn so kennenlernten, waren Adam und Eva. Danach waren es die Propheten und auch Jesus Christus hat mit Gott gesprochen.

Leider haben wir in der heutigen Zeit kaum mehr Zeit Gott kennenzulernen. Es gibt zu viele Ablenkungen, wie Hobbies, Handy, sich mit Freunden treffen. Somit bleibt keine Zeit für ein Gebet. (Anmerkung: dies trifft sicher nicht nur auf Jugendliche zu). Um jemanden richtig gut kennenzulernen, muss ich es auch WOLLEN. Das geht nicht von selbst und darin liegt auch die Schwierigkeit.

Wie kann man nun Gott kennenlernen? Über das Lesen in der Bibel – jeden Tag ein kleines Kapitel, sorgsam gelesen. In der Natur – wie ist alles geschaffen? Die Natur ist der Ausdruck des Reiches Gottes. Im Nächsten – lernen wir unsren nächsten richtig kennen. Gehen wir auf Spurensuche! Die Begegnung mit Gott macht das Leben lebendiger.

Religion und Beten, das machen doch immer die Anderen – die Eltern und Großeltern, die Priester, die ReligionslehrerInnen. Unsere Welt ist so bunt und so interessant, hingegen das Gebet erscheint langweilig, ist nur dahingesagt und klingt oberflächlich. Früher wuchs man hinein, es war üblich zu beten. Heute ist das viel schwieriger, es ist out. Diese Schwierigkeit der heutigen Zeit bietet aber auch eine Chance, denn Sprechen mit Gott hat etwas Tiefes. Es hat dann etwas Tiefes, wenn mit Schmerz aus dem Herzen gebetet wird. Dabei ist nicht gemeint, dass man nur beten soll, wenn man was Trauriges erlebt hat, sondern auch freudige Ereignisse dürfen mit diesem Schmerz des Herzens gebetet werden. So entsteht Spiritualität.

Es gibt 3 Formen des Gebetes – 1. Die Liturgie, als Gebet der Kirche, 2. Das Herzensgebet, wo wir um Gottes Erbarmen bitten und 3. Das freie Gebet, in dem wir Gott über unsere Freuden und unsre Sorgen berichten.

Welche Form oder auch Mischform des Gebets passt, muss jede/jeder für sich selbst rausfinden. Im Gebet betet man für sich selbst, aber besonders für die anderen und auch seine Feinde sollte man nicht vergessen. Es geschieht aus Liebe und zur Ehre Gottes. Am Anfang ist das sicher schwierig, es braucht Übung und es braucht vor allem RUHE. Sich vor und nach dem Gebet ein wenig Zeit zu nehmen und nicht von einem Event zum nächsten zu hetzten, das tut Leib und Seele gut und es beruhigt die Nerven. Das Gebet kann so zum Highlight des Tages werden!

Sprechen wir mit Gott – Lernen wir Gott kennen, denn dieses Kennenlernen dauert ein Leben lang!

Alle Anwesenden lauschten gespannt den Worten des Abts Paisios. Im Anschluss wurde das Gehörte in Kleingruppen vertieft und mit einer gemeinsamen Feier klang der Tag aus.

Für mich war dieser Tag ein ganz besonderer. Ich fühlte mich von der herrschenden Lebensfreude, die durch Musik und Tanz schon um die Mittagszeit zum Ausdruck gebracht wurde, mitgerissen und aufgehoben in einer unsagbaren Gastfreundschaft der Menschen aus vielen Nationen. Ich hatte das Gefühl jede/jeder kennt hier jede/jeden – es ist eine Gemeinschaft, die aus Lebensfreude im Glauben und aus dem Glauben besteht. Sehr erfreulich zu beobachten war, dass seine Eminenz Arsenios unter allen Gläubigen anwesend war – „ein Bischof zum Angreifen“.

Ich muss zugeben – zu Beginn fühlte ich mich doch fremd, aber nachdem ich von der Lebensfreude der Jugendlichen anstecken ließ, mich öffnete und zuließ, dass das Geschehen um mich herum zu meinem Geschehen wurde, war ich Teil dieser christlichen Gemeinschaft und konnte das Gefühl Einheit der Christen erfahren, galten auch die Inhalte des Vortrags von Abt Paisios für alle Christen. Es benötigte nur ein wenig Selbstüberwindung, Offenheit und Freude ein Teil des Leibes Christi zu sein. (Gabriele Gartner-Wölfl)